Besuch des Klosters Mariastein

Bei wunderschönem Wetter erwartete uns ein spannendes Programm mit abwechslungsreichen Referentinnen und Referenten. Vom Infozentrum aus nahm uns Herr Mariano Tschuor mit auf eine Führung über den Klosterplatz, zur Felsengrotte (Gnadenkapelle), zur Siebenschmerzen-Kapelle und in die Kirche.

 

Seit dem 17. Jahrhundert betreuen Benediktinermönche den Wallfahrtsort. Ausgehend von dem Ort des Fallwunders, an dem ein Knabe ins Tal gefallen und auf wundersame Weise unversehrt geblieben ist, wurde später von Osten nach Westen gebaut und es kamen immer mehr Gebäude hinzu. Auf dem langen Weg zur Gnadenkapelle konnten die Teilnehmenden die Stille geniessen. Die Felsengrotte ist nämlich auch ein Ort für Ruhe suchende Menschen. Von dort aus ging es anschliessend weiter in die Siebenschmerzen-Kapelle, wo wir das eindrucksstarke Mirakelbild bestaunen konnten.

 

Die Vorhalle der Klosterkirche wurde erst in der Mitte des 19. Jahrhunderts gebaut, ist lichtdurchflutet und bildet eine schöne Atmosphäre. Die Wandmalerei der Kirche zeigt einerseits die Geschichte der Benediktiner in der Schweiz auf, anderseits im Gewölbe das Wunder von Mariastein. Herr Tschuor erzählte uns unter anderem, dass noch heute oft Gespräche mit einem Priestermönch verlangt werden, wenn auch nicht immer im Beichtstuhl. Täglich erreichen die Mönche viele Gebetsanliegen per Zettel oder Mail. Die Mönche beten sechsmal am Tag und schliessen dabei immer wieder die Anliegen der Menschen mit in ihr Gebet ein.

 

In der Bibliothek empfingen uns Frau Dr. Gabriella Hanke Knaus und Frau Kerstin Lau. Frau Hanke Knaus teilte ihr umfangreiches Wissen mit uns und erzählte uns, dass das Buch und somit das Lesen nebst dem Beten und Arbeiten im benediktinischen Leben eine wichtige Rolle spielt. Sie betonte, dass wir uns quasi im Wohnzimmer der Mönche aufhalten. 1874-1981 war die Geschichte des Exils des Mariasteiner Konvents und Bücherbestände wurden auseinandergerissen. Das Kloster Mariastein bekam aber als einziges Kloster der Schweiz seine Bestände zurück.

 

Man kann sich schwer vorstellen, dass in diesem wohnlich gestalteten Raum einst Chaos herrschte, Kisten herumstanden und Bücher nicht katalogisiert waren. Unter Einbezug der Mönche wurde während einem Jahr ein Sammlungskonzept erarbeitet und es fand ein Umbau der Bibliothek statt. Mit der Neugestaltung wurde das Ziel einer zum Verweilen einladenden Bibliothek erreicht. Der Vorstand der SIGEGS hatte im 2021 im Zuge seiner Weihnachtsspendenaktion beschlossen, das Vorhaben des Umbaus finanziell mit einem Spendenbeitrag zu unterstützen.

 

Während des Umbaus galt es 107’000 Objekte sicher auszulagern und wieder zurückzuführen. Einblicke in dieses eindrückliche Vorhaben der «Umzugslogistik und Rückführungskonzept mit Notfallplan» gaben uns Frau Barbara Mordasini Voser und Herr Giuliano Mordasini von docusave AG. Gemeinsam mit dem Bibliotheksteam nahmen sie die grosse Herausforderung in Angriff. Nach dem Umbau stand kein Buch mehr am selben Ort. Dank der Programmierung einer massgeschneiderten, barcodebasierten Anwendungssoftware zur Objekterfassung und -verfolgung schafften sie es, jedes Buch zu jeder Zeit lokalisieren zu können. Das Ganze wurde an das bestehende Katalogisierungssystem der Klosterbibliothek gekoppelt.

 

Wir durften auch ein paar von Frau Hanke Knaus ausgewählte Bücher bestaunen, darunter eine viersprachige Bibel, die 1747 gedruckt wurde. So breit wie das Interessengebiet der Mönche ist, so vielfältig sind auch die Trouvaillen in der Bibliothek. Sie reichen von Philosophie über Geschichte, Belletristik, Naturwissenschaft, Theologie bis hin zu Musiknoten. Entsprechend ist die Arbeit der umfangreichen historischen Buchbestände noch nicht abgeschlossen und das Katalogisieren geht weiter.

Schliesslich bekamen wir von Herrn Tschuor Einblicke ins Gesamtprojekt «Aufbruch ins Weite – Mariastein 2025». Die Idee des Projektes ist «den Ort neu zu denken und neu zu gestalten». Letztendlich geht es auch darum, Mariastein zu sichern und in die Zukunft zu führen. Mit dem Ziel ein sehr breites Publikum zu bedienen, wurden die Basisinfos zum Projekt in eindrückliche 30 Sprachen übersetzt. Bei Kaffee und Kuchen konnten sich die Teilnehmenden austauschen und die gesammelten Eindrücke Revue passieren lassen.

 

Fall Sie dem Kloster auch eine Unterstützung zukommen lassen möchten, damit die visionären Vorhaben umgesetzt werden können, wäre dies eine schöne Sache: Kloster Mariastein, Klosterplatz 2 4115 Mariastein. Spendenkonto: (Postfinance) CH13 0900 0000 4000 2800 9

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