- 20. novembre 2025
Integrated Pest Management (IPM) Workshop Schwerpunkt Papierfischchen und andere Papierschädlinge
Im November führte die SIGEGS in Zusammenarbeit mit der HKB die Studientage zum Thema Integrated Pest Management – Schwerpunkt Papierfischchen und andere Papierschädlinge durch. Luise Baumgartner vom SIGEGS Vorstand begrüsste die Teilnehmenden herzlich und stellte kurz die Referenten vor. Bereits bei der Einführung durch Prof. Elke Mentzel, Co-Studiengangsleitung Konservierung und Restaurierung / Leitung Graphik, Schriftgut, Photographie der HKB, wurde betont, dass man Probleme mit Papierfischchen mit einem guten Monitoring in den Griff bekommen kann.
An diese Vorlage knüpfte der international gefragte Experte Dr. Pascal Querner, der seit über 20 Jahren überall auf der Welt tätig ist, an. In Bezug auf Schädlinge gilt: «Keine Panik» – eine Risikobeurteilung ist stets vorzunehmen. Klar ist, dass die Umgebung in Institutionen ideal sein kann für Schädlinge: Organische Materialien sind attraktive Nahrung für Insekten, im Gebäude kann das Klima angenehm sein und Schädlinge finden Schutz vor Fressfeinden. Die Erfahrung zeigt, dass das Einschleppen durch befallene Objekte einer der häufigsten Fälle darstellt. Früher hat man oft mit Gift bekämpft, wobei Pestizide schädlich für Objekte, Mitarbeitende und Umwelt sind und die Schädlinge resistenter werden. Er führte mit Witz und diversen Anekdoten aus, dass man mit unterschiedlichen Methoden – Nützlingen, Wärme, Frieren, Stickstoff – ohne Gift das Problem in den Griff bekommen kann.
Primär rät Dr. Querner, die Arbeit in Prävention zu stecken und nicht in die ständige Bekämpfung. Gekonnt baute er immer wieder praktische Teile ein und beantwortete dank seinem Erfahrungsschatz die unterschiedlichsten Fragen.
In einem weiteren Teil ging Dr. Querner dann eingehend auf die Papierfischchen und deren verursachten Schäden mit Schaubildern und Materialien ein.
In Bezug auf die Pheromonfallen kam die Frage auf, ob man bei hermetisch undichten Räumen nicht Schädlinge von aussen anziehen kann. Herr Querner freute sich über die Frage, die fast immer in seinen Kursen auftaucht, und riet aber nicht davon ab, Fallen aufzustellen. Man könne zwar Tiere dadurch von aussen anlocken, aber nur männliche. Es braucht aber weibliche Tiere zur Vermehrung. Dr. Querner nahm auch das Thema der klimatischen Veränderungen auf, die einen Effekt auf die Ausbreitung der Schädlinge haben.
Als Ergänzung zu den Inputs von Dr. Querner führte Prof. Mentzel durch die Ateliers der Graphik, Schriftgut und Photographie der HKB. Die Teilnehmenden kamen in direkten Kontakt mit Studierenden der Vertiefungsmodule und konnten sich fachlich austauschen.
Als Überraschung stiess ein ganz besonderer Gast auf vier Pfoten zur Gruppe, nämlich ein Spürhund, der auf das Erkennen von lebendigen Papierfischchen konditioniert wird. Bisher fand das Training nur unter «Laborbedingungen» statt und somit hatte die Hündin ihren ersten «richtigen» Einsatz an diesem Tag.
Im praktischen Teil waren dann wieder die Teilnehmenden gefragt und es wurde angeschaut, wo, wie viele und welche Fallen aufgestellt werden sollten und wie die Anwendung von Frassgel vorgenommen werden kann. Zudem wurde das Auge auf Schädlingserkennung geschult. Abschliessend stellte Dr. Querner nützliche Webseiten und (Lern)plattformen vor, fasste wichtige Punkte beim Monitoring zusammen, ging auf die Notfallplanung ein und stellte unterschiedliche Schädlingsbekämpfungsmethoden mit ihren Vor- und Nachteilen vor.
Gerüstet mit vielen Informationen bleibt zu hoffen, dass die Teilnehmenden weiterhin am Thema bleiben und die neuen Erkenntnisse in ihren Institutionen weitergeben.